Der Kaiserins liebste Insel

Korfu, die grüne Perle unter den griechischen Eilanden, begeisterte bereits in frühen Zeiten nicht nur den Hochadel. Sie hatte in ihrer Geschichte zahlreiche wechselnde Herrscher. Viele von ihnen hinterließen Spuren, die noch heute sichtbar sind.

  

Statue der Kaiserin Elisabeth <br> neben dem Eingang des Schlosses Achilleion.
© Bianka Kaspar
Statue der Kaiserin Elisabeth
neben dem Eingang des Schlosses Achilleion.
 

 

„Hier ist der schönste Punkt der Welt.“, so soll im 19. Jahrhundert Kaiserin Elisabeth „Sissi“ von Österreich geschwärmt haben. Und wer würde ihr widersprechen wollen, wenn er wie sie den Ausblick vom oberen Garten ihres auf einem Hügel gelegenen Palastes Achilleion genießt. Manch einer erinnert sich beim Anblick der mit einer Säulenbrüstung umfangenen Terrasse an der Kaiserins schauspielerische ’Nachfolgerin’ Romy Schneider in ihrer hierzulande bekanntesten Rolle. Der Blick schweift über das friedlich daliegende tiefblaue Meer bis zum griechischen Festland und nach Norden über die vielen Grünschattierungen vom Dunkel der Zypressen bis zum Silber der Oliven-Bäume die Küste entlang zum höchsten Berg der Insel, dem Pantokrator.

 

1892 wurde der Palast nach Plänen des italienischen Architekten Raffaele Carito fertig gestellt. Die Kaiserin ließ sich einen Ort erschaffen, der geprägt war von ihrer Vorliebe für die griechische Mythologie und der Zufluchtsort war vor den Tragödien ihres Lebens und dem für sie oft schwierigen Dasein am Kaiserlichen Hof in Wien. Der positive Einfluss, den das milde Klima Korfus auf ihre Gesundheit hatte, war ein weiterer Grund, immer wieder dorthin zurückzukehren.

 

Auf verschlungenen Wegen wandelte die Kaiserin in dem wenig einsehbaren Garten, der bis zur Küstenstraße hinunter reicht und dessen Geheimnis dem heutigen Besucher leider großteils verborgen bleibt.

 

Veranden, Statuen und Säulen prägen das äußere Bild des Palastes, dessen Name Achilleion verrät, dass dieser auf Achilles, den Helden der griechischen Mythologie, zurückgeht. Der Legende nach war er von seiner Mutter im Unterweltsfluss Styx gebadet worden und von da an unverwundbar, bis auf die Ferse, an der sie ihn festgehalten hatte. Da die Kaiserin eine Sympathie für Achilles hegte, begegnet man der Darstellung des tragischen Helden in unterschiedlichen Formen auf dem Anwesen. Die überlebensgroße Marmorstatue „Sterbender Achill“ des deutschen Bildhauers Ernst Herter von 1884 zeigt die Szene, als Achilles im Trojanischen Krieg an seiner verwundbaren Stelle von einem vergifteten Pfeil getroffen worden war.

 

 

 

Im Garten des Achilleion.
© Bianka Kaspar
Im Garten des Achilleion.

 

 

Wie ein überdimensionaler Wachtposten steht dagegen die 5,5 Meter hohe Bronze-Figur des „Siegreichen Achilles“ von Johannes Götz von 1909 auf einem Podest zwischen Palmen. Einstmals vergoldet waren die Speerspitze und der Helm bereits aus großer Distanz zu erkennen. Nach dem Tod Kaiserin Elisabeths 1898 hatte der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. 1907 das Achilleion erworben und begonnen das Anwesen, zum Beispiel durch das Aufstellen dieser Statue, seinem Geschmack anzupassen.

 

 

Fünf der neun Musen an der oberen Garten-Terrasse<br> des Schlosses Achilleion.
© Bianka Kaspar
Fünf der neun Musen an der oberen Garten-Terrasse
des Schlosses Achilleion.

 

 

Neun Musen säumen die obere Garten-Terrasse des Schlosses, auf der ein kleiner Brunnen plätschert. Dahinter, in einem Säulengang mit Büsten griechischer Philosophen und als einzigem Nicht-Griechen von William Shakespeare liegt in dessen Mitte der Eingang zu einem Saal, in dem sich von 1962 bis in die 80er-Jahre ein Kasino befand. Diesem stattete auch James Bond alias Roger Moore 1980 während der Dreharbeiten für den Film „In tödlicher Mission“, die überwiegend auf Korfu stattfanden, einen Besuch ab.

Im Schloss befinden sich ein Museum, das einige Original-Besitztümer ihrer ehemaligen Bewohner zeigt, eine katholische Kapelle, Portraits der Kaiserin Elisabeth und des Kaisers Wilhelm II., wie auch ein riesiges Deckengemälde im Eingangsbereich, das die vier Jahreszeiten symbolisiert.

 

 

Eingangsbereich im Schloss Achilleion mit Marmor-Treppe.
© Bianka Kaspar
Eingangsbereich im Schloss Achilleion
mit Marmor-Treppe.

 

 

 

 

Des Kaisers Felsen-'Thron' beim Dorf Pélekas.
© Bianka Kaspar
Des Kaisers Felsen-'Thron' beim Dorf Pélekas.
 

Kaiserlicher Thron und Badespaß im Ionischen Meer

 

An der Westküste etwa 10 Kilometer vom Achilleion entfernt kann sich heute jeder beim Dorf Pélekas auf des Kaisers Felsen-’Thron’ setzen und den Ausblick über die Insel genießen, so wie es Wilhelm II. einst getan haben soll.

 

Unterhalb des Dorfes führt eine Serpentinen-Straße zu einem der schönsten Sandstrände der Insel, dem Glyfada-Strand. Von Bergen eingerahmt liegt dort das gold-gelbe Band wie ein weicher Teppich, an dem das türkisfarbene Meer seine Wellen sanft ausrollen lässt.

 

Nicht nur das Achilleion ist eine Fundgrube für Begebenheiten aus der griechischen Mythologie. Auch das Ionische Meer – die natürliche Grenze zwischen Griechenland und Italien – lässt seinen Namen auf ein Ereignis der Sagenwelt zurückführen: Göttervater Zeus soll einst ein Auge auf Io, die Tochter des Flussgottes Inachos geworfen haben, was verständlicherweise seiner Gattin Hera gar nicht gefiel. Um seine Untreue zu vertuschen, verwandelte er Io in eine Kuh. Hera, die jene List aber durchschaute, hetzte eine Viehbremse auf Io. In ihrer Verzweiflung stürzte sich diese in das Meer und traute sich erst in Ägypten wieder an Land. So wurde sie Namenspatronin für diesen Teil des Mittelmeeres.

 

 

 

 

 

 

 

Der Glyfada-Strand an Korfus Westküste.
© Bianka Kaspar
Der Glyfada-Strand an Korfus Westküste.

 

 

 

Mon Repos – Meine Ruhe

 

Ruinen der Basilika Agía Kérkyra aus dem 5. Jahrhundert und die Ausgrabungsstätte Römischer Thermen

Im Schloss Mon Repos.
© Bianka Kaspar
Im Schloss Mon Repos.

von 200 n. Chr. flankieren die Hauptstraße auf der Halbinsel Analipsis südlich von Korfu-Stadt und dienen als hilfreiche Wegweiser zum Eingang des 100 Hektar großen Gartens von Mon Repos. Vorbei an vereinzelten Überresten der antiken Stadt Paleópolis und mächtigen Bäumen führen schattige Wege zu dem kleinen Schloss.

1824 während des britischen Protektorates errichtet, war sowohl Kaiserin Elisabeth hier zu Gast, bevor sie sich ihren Palast Achilleion erbauen ließ, wie auch Kaiser Wilhelm II., der dem Schwiegervater seiner Schwester König Georgios einen Besuch abstattete, als Mon Repos die Sommerresidenz der griechischen Königsfamilie war.

1921 wurde dort Prince Philipp, der Duke of Edinburgh und Gatte von Königin Elizabeth II., als Prinz von Griechenland und Dänemark geboren.

Schön restauriert befindet sich heute in dem zwei-stöckigen Gebäude ein Museum, das archäologische Ausgrabungsfunde, Antiquitäten, alte Fotos und vieles mehr in seinen eleganten Räumen ausstellt.

 

 

Korfu-Stadt

 

Zwischen den beiden von den Venezianern von 1576 bis 1645 erbauten Festungen erstreckt sich die Altstadt, die sich seit 2007 zum UNESCO-Welterbe zählen darf.

Die Briten wiederum hinterließen den 1826 nahe der alten Festung errichteten Palast St. Michael + St. George, der später eine Residenz der griechischen Königsfamilie war und jetzt einem Museum für Asiatische Kunst einen edlen Rahmen gibt.

Jenseits eines der größten begrünten Plätze Griechenlands findet sich Architektur aus napoleonischer Zeit. Im Schatten der nach dem Vorbild der Rue de Rivoli in Paris 1807 erbauten Arkaden, sitzen junge Griechinnen und Griechen bei einem Kaffee zum Sehen und Gesehen werden. Daneben eröffnet sich ein Labyrinth aus zahllosen engen Straßen und Gassen mit hunderten kleinen Geschäften.

 

 

 

Südlich von Korfu-Stadt und Mon Repos: <br>das kleine Kloster Vlacherna und dahinter die Maus-Insel.
© Bianka Kaspar
Südlich von Korfu-Stadt und Mon Repos:
das kleine Kloster Vlacherna, dahinter die Maus-Insel.

 

 

Ewige Liebe

 

Doch nicht nur Sissi-Fans und geschichtlich Interessierte, Erholungssuchende und Naturliebhaber, Sonnenanbeter und Wasserratten, Freunde der griechischen Küche und dörflicher Ursprünglichkeit kommen auf Korfu auf ihre Kosten. Sondern auch Paare, die sichergehen wollen, dass ihre Liebe ewig hält. Denn auch dafür ist mit einem von der Natur über Jahrtausende geformten Felstunnel beim nördlich gelegenen Sidári gesorgt: Gemeinsames Hindurchschwimmen lässt den Wunsch in Erfüllung gehen, so die Legende.

 

 

Eine der Buchten von Paleokastritsa.
© Bianka Kaspar
Eine der Buchten von Paleokastritsa.

 

 

Paleokastritsa

 

Ein Besuch auf Korfu wäre nicht vollständig, ohne den Ort der atemberaubenden Aussichten gesehen zu haben: bewaldete Landzungen, verborgene Strände neben senkrecht ins Meer abfallenden Felswänden, kristallklares Wasser in allen Schattierungen von türkis bis tintenblau und ein kleines Kloster, dies alles ’garniert’ mit Kiefern und dunkelgrünen Zypressen – das ist Paleokastritsa. Nicht mehr so verschlafen wie einst, ist es nach wie vor einer der schönsten Orte der Insel.

 

Wer Korfu einmal besucht hat und sich hat bezaubern lassen von seinem besonderen Charme, dem wird es ergehen wie einst Kaiserin Elisabeth: Auch er wird immer wieder zurückkehren wollen.

 

 

© Bianka Kaspar

  

 

© Bianka Kaspar

2011

 

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