Leipzig – Wiege der Freiheit

Mit dem Schauspieler Hendrik Duryn (“Tatort“, “Der Lehrer“, “Westflug“, “Notruf Hafenkante“, “Im Tal der wilden Rosen – Prüfung des Herzens“, “Alarm für Cobra 11 – Einsatz für Team 2“, Katie Fforde “Zum Teufel mit David“ u.v.m.) seine Heimatstadt Leipzig zu entdecken, ist bereits etwas Besonderes. Wenn dies zudem noch ein Spaziergang zurück zu Orten der persönlichen Geschichte des Leipzigers wird, dann ist es für alle Beteiligten viel mehr als eine normale Stadtbesichtigung.

 

 

Hendrik Duryn
© Bianka Kaspar
     Hendrik Duryn

Eine Harley schnurrt durch Leipzig, gesteuert von Hendrik Duryn – Schauspieler, Musiker, Teilzeit-Förster und Stuntman – auf dem Weg zu einer neuen Rolle auf ganz großer Bühne.

Die Rolle: Stadtführer. Die Bühne: Leipzig. Erstes Bühnenbild: Die Oper am Augustusplatz.

Am Vorabend noch ein großer leerer Platz, bietet sich uns jetzt, wie aus der Nacht hervorgezaubert, buntes Markttreiben vor der Oper, die sich in einem klassizistisch geprägten Gebäude aus dem Jahre 1960 befindet. Die Tradition der Leipziger Oper geht jedoch bereits mehr als 300 Jahre zurück. 1693 wurde das erste Opernhaus in Leipzig am Brühl eröffnet, somit – nach Venedig und Hamburg – die drittälteste Musiktheaterbühne Europas.

Neben dem eigenen Ensemble ist dies die Wirkungsstätte des berühmten Gewandhaus-Orchesters – einem der größten Berufsorchester der Welt –, dessen Räumlichkeiten sich im gleichnamigen Gewandhaus am gegenüberliegenden Ende des Augustusplatzes befinden. Ursprünglich an anderer Stelle als Zeughaus erbaut, bekam das damalige Gewandhaus seinen Namen, da es auch als Messe-/Verkaufshaus der Tuch- und Wollwaren-Händler genutzt wurde. Von 1977-81 wurde das heutige Gewandhaus als erster Neubau eines ausschließlichen Konzerthauses in der DDR erbaut.

Das Gewandhaus-Orchester ist mit einem weiteren berühmten Namen verbunden: Kurt Masur, Gewandhaus-Kapellmeister von 1970-1996, wie auch Musikdirektor des New York Philharmonic Orchestra von 1991-2002 und Chefdirigent der Londoner Philharmoniker 2000-2007. Masur war die treibende Kraft hinter dem Neubau des heutigen Gewandhauses. Im Herbst 1989 öffnete er dieses für die so genannten “Gewandhausgespräche“ – ein öffentliches Diskussionsforum über die Zukunft der DDR – und rief während der damaligen Montagsdemonstrationen zu Besonnenheit und Gewaltfreiheit auf, was durch seine starke Persönlichkeit mit zu deren friedlichem Verlauf beitrug. Im Dezember 1989 wurde Kurt Masur Ehrenbürger der Stadt Leipzig.

 

 

Die alte Salzstraße

 

Die Mädler-Passage
© Bianka Kaspar
Die Mädler-Passage

„Leipzig ist die älteste europäische Messestadt.“, erzählt Hendrik Duryn. Zum Ankommen und zur ersten Orientierung haben wir uns in einem Cafe am Anfang der Grimmaischen Straße niedergelassen. Heute beginnt hier die gut besuchte Fußgängerzone flankiert von Kaufhäusern, Geschäften und Cafes. So ist die alte in Ost-West-Richtung verlaufende Handelstraße Via Regia (Königsstraße), wie sie 1215 erstmals genannt wurde, ihrer Bestimmung treu geblieben. Sie war jedoch nicht nur eine der ältesten, längsten und wichtigsten Landverbindungen zum Zwecke des Warentransportes (u.a. für Salz – das weiße Gold), sondern auch Pilgerweg und eine Magistrale des Kulturaustausches und der Kommunikation.

Doch das wäre nur die halbe Miete, würde sich die Via Regia nicht hier in Leipzig mit der Via Imperii (Reichsstraße) kreuzen, welche in Nord-Süd-Richtung verlief. Das machte Leipzig bereits im Mittelalter zu einem der bedeutendsten Handelsplätze Europas.

 

 

Lebendige Geschichte

 

Eine Gedenktafel unauffällig zwischen den Pflastersteinen des Nikolaikirchhof in den Boden eingelassen, bedarf keiner Worte. Stattdessen viele unterschiedliche Schuhabdrücke und ein Datum: 9. Oktober 1989. Der Tag, an dem nach dem abendlichen Friedensgebet, das hier in der Nikolaikirche - trotz mancher politischer Verhinderungsversuche - jeden Montag seit 1982 stattgefunden hatte, 70.000 Menschen friedlich gegen das DDR-Regime demonstrierend den Altstadtring entlangzogen und entscheidend zu dessen Sturz beigetragen hatten.

„Für mich ist die Nikolaikirche zu einem vertrauten Stück Leipzig und Heimat geworden.“, bekennt der Schauspieler. Dem 9. Oktober vorausgegangen waren viele Wochen und Monate des vorsichtigen Zusammenkommens, des Sehens was passierte, wenn man sich zusammenrottete, eine Kerze tragend, die man ’notfalls’ schnell wieder wegwerfen konnte.

Die Nikolaikirche
© Bianka Kaspar
Die Nikolaikirche

Hendrik Duryn und seine Schauspiel-Studienkollegen gehörten zu den mutigen Menschen, die nicht weiter hinnehmen wollten, was alles falsch lief. Die sich trotz ihres jungen Alters – („Wir hatten nicht wirklich einen Plan, worauf wir uns da eingelassen hatten.“) – als Künstler in der Verantwortung sahen, auf Dinge aufmerksam zu machen, die nicht in Ordnung waren und unter denen andere Menschen zu leiden hatten, auch wenn es ihnen selbst verhältnismäßig gut ging.

„Und dann wurden wir immer mehr und man bekam ein Zuhause, ein Kraftgefühl, ein Gefühl, dass es vorwärts geht, dass sich wirklich etwas verändert.“

Die Erinnerungen an diese Zeit an diesem Ort lassen den Leipziger nicht kalt. Auch wenn er schon so manches Mal wieder über den Platz gelaufen ist, wie zum Beispiel während “Tatort“-Dreharbeiten, so macht es doch einen großen Unterschied, bewusst zurückzukehren, sich der unglaublichen Erfahrung der Macht der Gewaltlosigkeit zu erinnern. Für ein paar scheue Augenblicke ist er wieder der junge Mann Anfang Zwanzig.

 

Wir blicken auf die Nikolaisäule, die seit 1999 im Nikolaikirchhof steht und eine Nachbildung der Säulen aus dem Kirchenschiff ist und als Synonym steht für den Gedanken des Aufbruchs, der aus Leipzigs größter Kirche hinausgetragen wurde.

Ein weiteres Symbol dieser Zeit und des langsamen Aufbaus der Versammlungen ist die Lichtinstallation „Öffentliches Licht“ des Leipziger Künstlers Tilo Schulz mit 144 in das Bodenpflaster eingelassenen farbigen Glaswürfeln, die zufallsgesteuert minütlich zugeschaltet werden.

 

Vorbei am Gebäude der alten Nikolaischule aus dem Jahr 1512, in der einst Richard Wagner unterrichtet wurde und sich heute u.a. ein Restaurant befindet, gehen wir zum Eingang der Nikolaikirche, benannt nach dem Heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Kaufleute. „Nikolaikirche – offen für alle“ steht dort geschrieben. Eine Einladung, der wir gerne folgen.

Zum ersten Mal nach 22 Jahren betritt Hendrik Duryn die 1165 gegründete und ursprünglich im romanischen Stil erbaute Kirche. Später zur gotischen Hallenkirche umgestaltet, eröffnet sich uns jetzt ein klassizistisch gestalteter Innenraum. Mit Palmwedel-förmiger Verzierung gekrönte Säulen strecken sich einem Rosettengewölbe entgegen. Hellgrün, Rosé und Weiß sind die vorherrschenden Farbtöne einer außergewöhnlichen Kirche. 1989 sah es hier noch anders aus. „Die Farbe tilgt die Spuren der Geschichte.“, sinniert der Schauspieler.

Über dem Eingang thront die größte Orgel Sachsens aus dem Jahre 2003, die auf ein Instrument von Friedrich Ladegast aus dem Jahre 1862 zurückgeht.

 

Die filmische Auseinandersetzung mit den Geschehnissen des Jahres 1989 fand 1995 in Form eines nach der Kirche benannten TV-Zweiteilers statt – u.a. mit Ulrich Mühe, Barbara Auer, Ulrich Matthes und Peter Sodann -, so der Schauspieler.

 

 

Goethe-Denkmal<br> vor der alten Börse am Naschmarkt
© Bianka Kaspar
Goethe-Denkmal
vor der alten Börse am Naschmarkt

Messehäuser, Passagen und Jugendstil-Architektur

 

Gegenüber der Nikolaikirche steht das seinerzeit größte Messehaus, der Speck’s Hof. Die Fassade des Eckhauses beeindruckt mit einer Balustrade, Kolossalpilastern und Erkern. Das Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete Bauwerk wurde 1993-95 erfolgreich restauriert und ist heute mit seinen Passagen und Lichthöfen Einkaufspalast und exklusives Geschäftshaus.

Neben einem der größten Bestände von Gebäuden mit Jugendstil-Merkmalen in der gesamten Stadt, verfügt Leipzigs Innenstadt über ein wohl einmaliges Netz an Passagen, Durchhöfen und Messehäusern, deren Restaurierung zu einem großen Teil auf den Immobilienunternehmer Jürgen Schneider zurückgeht, der sich jedoch mit den dafür in Milliardenhöhe aufgenommen Krediten verspekuliert hatte.

 

Zwei Ecken weiter am Naschmarkt, eingerahmt vom alten Rathaus, der alten Börse (1679), dem Messehaus Handelshof (1909) und einem Goethe-Denkmal (1903) erinnert sich Hendrik Duryn an seine Jugend: „1984 waren hier eine Bühne und ein Zuschauerraum aufgebaut und da bin ich als 16-Jähriger zu jeder, wirklich jeder Vorstellung hingerannt. Das hatte mich so beeindruckt: weiß geschminkte Gesichter, ein Spektakel mit Kraft und Energie!“

Wie das Leben so spielt, wird der Leipziger zehn Jahre später eine der Hauptdarstellerinnen bei der Arbeit am Theater in Halle wiedertreffen und von da an mit ihr gemeinsam durchs Leben gehen.

 

 

© Bianka Kaspar

 

Goethes Studenten-Kneipe

Gegenüber vom Naschmarkt und unterhalb der Mädler Passage verbirgt sich der Auerbachs Keller von 1530, stadtgeschichtlich interessant und Aushängeschild Leipzigs. Mephisto und Faust als Bronzefiguren nach wie vor präsent, weisen in der Passage den Weg zum Studentenkeller aus Goethes “Faust I“. Die Geschichte vom Ritt auf dem Weinfass wird auch heute noch allabendlich vom Kellermeister den Gästen erzählt.

Goethe selbst soll seinerzeit – zu Recherchezwecken – desöfteren vor Ort anzutreffen gewesen sein. Auch soll es einen unterirdischen Gang zur Universität gegeben haben, welcher den Professoren zu später (oder früher) Stunde die Möglichkeit eröffnete, sich unauffällig vom Ort des Geschehens zu entfernen.

 

 

Thomaskirche

 

An der Seite der Thomaskirche aus dem Jahre 1212 steht der Stolz Leipzigs und der Grund, warum Hendrik Duryn nach zehn Jahren das Klavierspiel aufgegeben hat: Johann Sebastian Bach. Von 1723 bis 1750 war Bach Kantor an der Thomasschule. Neben seiner Lehrtätigkeit hatte er die Verantwortung für die Kirchenmusik an den Hauptkirchen St. Nikolai und St. Thomas und für die Thomaner, einen traditionsreichen Knabenchor, dessen Geschichte ebenfalls bis ins Jahr 1212 zurückreicht. Der Chor stellt somit die älteste kulturelle Einrichtung Leipzigs dar und ist nach wie vor während der Schulzeit dreimal pro Woche in der Thomaskirche zu hören, wo Bach schließlich seine letzte Ruhe gefunden hat.

Die Thomaskirche
© Bianka Kaspar
Die Thomaskirche

 

Gegenüber des Eingangs der Thomaskirche hinter einem grünen Pflanzenteppich verläuft der Innenstadt-Ring, welcher rechterhand zum Museum in der ’Runden Ecke’ führt. Dort befand sich bis 1989 die Stasi-Bezirksverwaltung. Neben einer Ausstellung wird ein Großteil des Gebäudes für die öffentliche Aufarbeitung der zehn Kilometer Geheimdienst-Akten genutzt.

„Verrückterweise“, wie es Hendrik Duryn nennt, befindet sich gegenüber der ’Runden Ecke’ das Schauspiel-Viertel mit der Gottschedstraße, auch ’kleine Karli’ genannt, dem Zentraltheater (Schauspielhaus) und der Hochschule für Musik und Theater.

 

In entgegengesetzter Richtung ein Stück weiter südlich steht seit 1905 das neue Rathaus, mit einem Stilgemisch aus Renaissance, Barock und Jugendstil. Im 13. Jahrhundert war hier der Stadtrand von Leipzig und anstelle des Rathauses stand die vom gleichnamigen Fluss umgebene Pleißenburg, von der noch der Grundstock des heutigen Rathaus-Turmes stammt.

 

 

Neue Kulisse – Klein-Venedig

 

Fast so schnell, wie im Theater die Kulissen wechseln, ändert sich auch für uns die Szenerie. Wenige Autominuten vom Zentrum entfernt eröffnet sich uns eine weitere Facette Leipzigs. Gefühlte zwanzig Kilometer von einer Großstadt entfernt, befinden wir uns nach wie vor im Stadtgebiet. Am Klingerweg am Rande des Clara-Zetkin-Parks steht ein Bootshaus aus dem Jahr 1904. Zum Verleih angeboten sind Kanus und Ruderboote für die Erkundung einer Flusslandschaft, die lt. Veranstalter eingerahmt ist von Deutschlands größtem zusammenhängenden Auwald. Wir haben uns heute jedoch für die etwas ’geräumigere’ Variante entschieden: das Motorboot “Sturmvogel“.

Während wir am Ufer der gemächlich dahinfließenden Weißen Elster auf die Abfahrt warten, schwärmt Hendrik Duryn von einer weiteren alternativen Fortbewegungsmöglichkeit: Mit dem Fahrrad lässt es sich durchs Grüne bis in das rund 38 Kilometer entfernte Halle fahren, während das pulsierende städtische Leben nur ab und zu wie der Strahl eines Leuchtturms hereinblitzt.

 

 

 

Hendrik Duryn und Bianka Kaspar <br>am Ufer der Weißen Elster
© Bianka Kaspar
Hendrik Duryn und Bianka Kaspar
am Ufer der Weißen Elster

 

 

Die Weiße Elster, der Karl-Heine-Kanal und das Elsterflutbett sind die Wasserwege des etwa 70 Minuten währenden Bootsausfluges. Flussaufwärts liegt Plagwitz, ein ehemaliger Industriestadtteil, der mit dem am Ufer stehenden Gebäude des ersten Versandhauses Deutschlands aufwartet. Einer der größten Industriebauten seiner Zeit, die Kammgarnspinnerei der Firma Tittel & Krüger, in der zu DDR-Zeiten über 2.000 Menschen beschäftigt waren, wurde indessen in Wohnungen und Lofts umgebaut. Seine rot-weiße Backstein-Fassade und die gelb-weißen Halbbögen über den Fenstern setzen einen schönen Kontrast zum Grün der Bäume. Sonnenschirme auf den nicht einsehbaren Dach-Terrassen regen die Phantasie an, wie auch das ’durchscheinende Wohnzimmer’, welches hoch über dem Fluss die Verbindung zweier Gebäude darstellt.

Als würden wir an Bühnenbildern aus verschiedenen Zeitaltern vorbeigleiten, erscheint das ehemalige Studio der Talk-Sendung “Riverboat“ auf einer alten Eisenbahnbrücke über dem Karl-Heine-Kanal schwebend, danach eine haushohe Persil-Werbung aus den 1930er-Jahren, unterschiedlichste Brücken, Stege und Terrassen, Cafés und Restaurants, eines sogar mit original venezianischen Gondeln. Leipzig zeigt auch hier seine Internationalität. Denn ein paar Südamerikaner haben sich – nicht zu jedermanns Freude – zudem im Ufergebiet angesiedelt: Nutria. Biberähnliche Tiere, die früher vorwiegend wegen ihres Fells gezüchtet und nach der Wende freigelassen wurden.

 

Flussabwärts beim Anblick der Vierjahreszeiten-Brücke, die sich mit den Statuen von vier Kindern schmückt, welche die vier Jahreszeiten symbolisieren sollen, erinnert sich Hendrik Duryn an seine eigene Kindheit, als ihn sein Weg in die Schule über diese Brücke führte.

Kurz bevor wird das Elsterflutbett erreichen, weisen die Warnschilder „Lebensgefahr!“ auf eine wichtige Einrichtung im Hochwasserschutz hin. Bei der 50 Meter langen Brücke mit Bögen und Brückenhäusern handelt es sich um das von 1913-1917 erbaute Palmgartenwehr, durch das die Elster mehrere Meter tief in das Elsterbecken fällt.

Geradeaus zwischen den Bäumen erhebt sich der mit 114 Metern höchste Rathausturm Deutschlands oberhalb eines weiteren Seitenarms der Elster und erinnert daran wie nah sich diese Flusswelt an Leipzigs Zentrum befindet.

 

 

 

Das Palmengartenwehr verbindet<br> den Palmengarten im Stadtteil Lindenau mit der Westvorstadt
© Bianka Kaspar
Das Palmengartenwehr verbindet
den Palmengarten im Stadtteil Lindenau mit der Westvorstadt

 

 

Leipzig war schon immer von viel Wasser umgeben und durchzogen. Die Mühlgräben von Pleiße und Elster prägten einst das Stadtbild. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde vieles davon jedoch anderweitig genutzt oder gar einfach nur verschüttet und zugebaut.

So erzählt auch der Schauspieler: „Leipzig ist Venedig. Unterirdisch haben wir ganz viele Kanäle, wovon jetzt wieder sehr viel freigelegt wird. Eigentlich fließt hier überall Wasser. Daher gab es auch jahrzentelange Diskussionen über den Bau des City-Zugtunnels, weil dort, bis der Tunnel verschalt ist, permanent das Wasser abgepumpt werden muss und das natürlich ein riesiger Aufwand ist.“

 

Nach der Wende wurden südlich von Leipzig die riesigen Braunkohle-Gruben geflutet und es entstand eine Seenlandschaft, bei der der Schauspieler erneut ins Schwärmen gerät und die alles bietet, das früher für ihn ausschließlich ’der Westen’ war: „Am Cospudener See findet man Buchten, Wiesen, eine gut 10 km lange Skate- und Laufstrecke rund um den See, bunte Fischerhütten, Stege, Yachten, eine Tauch- und Surfschule und anderes mehr. Alles, was ich mir in meinen Kindertagen nie hätte vorstellen können, dass es das mal hier geben wird.“

Der benachbarte Markkleeberger See lockt mit einer Olympia-Wildwasserstrecke, die nicht nur Wettbewerben und Trainierenden vorbehalten ist, sondern auch dem ’Normalbürger’ zum Vergnügen zur Verfügung steht – „inklusive Kentern“, wie der Schauspieler weiß.

 

 

 

Hendrik Duryn und Bianka Kaspar <br>unterwegs auf Leipzigs Wasserstraßen
© Bianka Kaspar
Hendrik Duryn und Bianka Kaspar
unterwegs auf Leipzigs Wasserstraßen

 

 

 

 

Ein außergewöhnlicher Blickwinkel <br>auf den Panorama Tower <br>- fotografiert von Hendrik Duryns Vater -
© Siegfried Duryn
Ein außergewöhnlicher Blickwinkel
auf den Panorama Tower
- fotografiert von Hendrik Duryns Vater -

Ausgehmeile Karl-Liebknecht-Straße

 

Zurück an Land führt unser Weg zur letzten gemeinsamen Station an diesem Tag: einem indischen Restaurant an der Karl-Liebknecht-Straße – oder ’Karli’, wie sie hier einfach kurz genannt wird – im angesagten Viertel Süd-Vorstadt.

„Am Abend ist hier alles voller Menschen und jeder Stuhl vor den Restaurants und Kneipen besetzt.“, erzählt der Leipziger. Die Auswahl dafür ist groß und international. In Blickweite befinden sich ein weiteres Asiatisches Restaurant, ein Mexikaner und ein Irisches Pub.

 

 

 

 

Abschied

 

Die Zeit geht viel zu schnell vorbei und so bleibt vieles dieser schönen Stadt für dieses Mal ungesehen. So werfen wir – der Empfehlung unseres ’Reiseführers’ folgend – in 120 Metern Höhe von der Dachterrasse des Panorama Towers einen letzten Rundblick auf Leipzig und Umgebung. Während die Schatten länger werden und die Sonne sich rot verfärbt, steigen in der Ferne drei Heißluftballons auf.


Leipzig empfing uns mit offenen Armen, doch ließ es uns auch frohen Mutes wieder gehen, offenbar wohl gewahr, dass dies nicht unser letzter Besuch sein würde.
 

 

 

Bianka Kaspar

2011

 

 

 

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